Grunewald Tennis-Club e.V., Mai 2003

A

 

 
A

Thomas Herrendorf – Kosmopolit und LebensraumkÜnstler

Den 1955 geborenen und seit nahezu 25 Jahren in Berlin tätigen Inneneinrichter Thomas Herrendorf kann man zweifellos als einen der profiliertesten Könner seines Faches bezeichnen.
Im Jahre 2001 verlieh ihm der Internationale Bund der Innenrichter in Zürich den Titel „Haute Couture Inneneinrichter des Jahres“. Einzelne Projekte in Amerika waren eine Folge dieser Auszeichnung. Thomas Herrendorf ist aber auch seit Jahren erfolgreich europaweit tätig. Der Journalist Werner Hoffelner hat sich mit ihm unterhalten.

W.H.: Sie betreuen die sanfte Umgestaltung der Clubräume des Grunewald Tennisclubs e.V., in denen wir uns gerade befinden. Wie hat sich die Zusammenarbeit ergeben?

Thomas Herrendorf: Seit einigen Jahren arbeite ich bei Kunstkonzeptionen für meine Projekte von Zeit mit dem Berliner Kunstmaler Martin Heinig zusammen, der Mitglied des Tennisclubs ist. Martin Heinig fragte mich, ob ich bei der Ausgestaltung helfen wolle, und ich habe – wie der Berliner sagt: - mit Spaß an der Freude zugesagt.

W.H.: Was war Ihr erster Eindruck vom Vereinssitz?

Thomas Herrendorf: Großes Erstaunen! Denn vor nahezu 20 Jahren ersteigerte ich bei einer Auktion eine Kommode, entworfen von dem Architekten Oskar Kaufmann, die ich in ihrer Schönheit und Besonderheit so nie wieder gefunden habe. Vor zwei Jahren erwarb ich dann auf dem Berliner Flohmarkt die beiden Original- Außenleuchten des Renaissance-Theaters, die ebenfalls von Oskar Kaufmann entworfen wurden. Im Rahmen einer Modernisierung des Theaters hatte man diese Originale „vertrödelt“! Ich bewahre sie sorgfältig auf. Schon beim Betreten des Vereinsgeländes faszinierte mich der noch deutlich erkennbare, hinreißende Baustil der fließenden Formen. An den im Treppenhaus gezeigten alten Fotoaufnahmen erkannte ich zweifelfrei Kaufmanns einzigartige Handschrift.

W.H.: Als man Ihnen den Barraum zeigte – kamen Ihnen ersten Ideen?

Thomas Herrendorf: Ich erfuhr im Vorgespräch vom geplanten Neubezug der vorhandenen Stühle und habe mich zuerst für ein stimmiges neues Bild eingesetzt, das nur entstehen kann, wenn man die bereitstehenden Mittel – ohne Mehrkosten zu verursachen – in eine neue Konzeption einbezieht. Es wurde also nach eingehender Diskussion ein Sessel gefunden, der zum einen aus der Zeit Oskar Kaufmanns stammt, und der zum anderen allen Anforderungen genügt, die man an einen Aufenthaltsraum stellt, der direkt nach sportlicher Betätigung genutzt wird.
Die Stühle sind nach einem Patent von Lloyd Loom aus dem Jahre 1924 gefertigt. Es handelt sich um einen Flechtstuhl, dessen Material aus mit Pappemache umwickeltem Draht besteht. Lloyd Loom greift die für die Zeit typischen Rundformen auf; die dunkel patinierte Farbe strahlt Behaglichkeit aus. Auch die neuen Wandleuchten sollen zu dieser Atmosphäre beitragen – gerade bei abendlichen Zusammenkünften. Die mit Stoff bespannten Stehleuchten dürfen ruhig etwas Club-Flair verbreiten.
Ein schlüssiges Farb- und Gestaltungskonzept für die Wände – auch im angrenzenden großen Gesellschaftsraum – war dann schnell gefunden.

W.H.: Haben Sie ein bestimmtes Ziel bei der Entwicklung der Konzeption?

Thomas Herrendorf: Nun, das ist leicht zu beantworten. Ich stelle mir zur Aufgabenbewältigung bestimmte Schlagworte vor: Gemütlichkeit, Praktikabilität, Atmosphäre, Geschlossenheit, Wohlbefinden und so weiter. Daraus entwickelt sich dann die Idee.

W.H.: Bei den hier durchgeführten Veränderungen handelt es sich für Sie doch sicher um ein kleineres Projekt.

Thomas Herrendorf: Um Gottes willen! Ich liebe meine Beruf, und ob es um die Federführung bei der Einrichtung einer Botschaft oder eines Kreuzfahrtschiffes, um die Neugestaltung einer Gästetoilette oder die Farb- und Materialberatung für den Neubezug eines Dielenstuhles geht – ich bin immer mit Leib und Seele bei der Sache und freue mich, wenn ich zu Rate gezogen werde.

W.H.: Wie arbeiten Sie in Ihrem Geschäft in Berlin?

Thomas Herrendorf: In einem Team mit neun Mitarbeitern. Die Beratung und der Service stehen bei uns an erster Stelle.

W.H.: Spielen Sie selbst Tennis?

Thomas Herrendorf: Hm. Ähm...

W.H.: Herr Herrendorf, vielen Dank für das Gespräch.


  (Erschienen in: Clubnachrichten Grunewald Tennis-Club e.V., Mai 2003)