Thomas Herrendorf –
Kosmopolit und LebensraumkÜnstler
Den 1955 geborenen und seit nahezu 25 Jahren in Berlin tätigen
Inneneinrichter Thomas Herrendorf kann man zweifellos als einen
der profiliertesten Könner seines Faches bezeichnen.
Im Jahre 2001 verlieh ihm der Internationale Bund der Innenrichter
in Zürich den Titel „Haute Couture Inneneinrichter des
Jahres“. Einzelne Projekte in Amerika waren eine Folge dieser
Auszeichnung. Thomas Herrendorf ist aber auch seit Jahren erfolgreich
europaweit tätig. Der Journalist Werner Hoffelner hat sich
mit ihm unterhalten.
W.H.: Sie betreuen die sanfte Umgestaltung der Clubräume
des Grunewald Tennisclubs e.V., in denen wir uns gerade befinden.
Wie hat sich die Zusammenarbeit ergeben?
Thomas Herrendorf: Seit einigen Jahren arbeite ich bei Kunstkonzeptionen
für meine Projekte von Zeit mit dem Berliner Kunstmaler Martin
Heinig zusammen, der Mitglied des Tennisclubs ist. Martin Heinig
fragte mich, ob ich bei der Ausgestaltung helfen wolle, und ich
habe – wie der Berliner sagt: - mit Spaß an der Freude
zugesagt.
W.H.: Was war Ihr erster Eindruck vom Vereinssitz?
Thomas Herrendorf: Großes Erstaunen! Denn vor nahezu 20
Jahren ersteigerte ich bei einer Auktion eine Kommode, entworfen
von dem Architekten Oskar Kaufmann, die ich in ihrer Schönheit
und Besonderheit so nie wieder gefunden habe. Vor zwei Jahren erwarb
ich dann auf dem Berliner Flohmarkt die beiden Original- Außenleuchten
des Renaissance-Theaters, die ebenfalls von Oskar Kaufmann entworfen
wurden. Im Rahmen einer Modernisierung des Theaters hatte man diese
Originale „vertrödelt“! Ich bewahre sie sorgfältig
auf. Schon beim Betreten des Vereinsgeländes faszinierte mich
der noch deutlich erkennbare, hinreißende Baustil der fließenden
Formen. An den im Treppenhaus gezeigten alten Fotoaufnahmen erkannte
ich zweifelfrei Kaufmanns einzigartige Handschrift.
W.H.: Als man Ihnen den Barraum zeigte – kamen Ihnen ersten
Ideen?
Thomas Herrendorf: Ich erfuhr im Vorgespräch vom geplanten
Neubezug der vorhandenen Stühle und habe mich zuerst für
ein stimmiges neues Bild eingesetzt, das nur entstehen kann, wenn
man die bereitstehenden Mittel – ohne Mehrkosten zu verursachen – in
eine neue Konzeption einbezieht. Es wurde also nach eingehender
Diskussion ein Sessel gefunden, der zum einen aus der Zeit Oskar
Kaufmanns stammt, und der zum anderen allen Anforderungen genügt,
die man an einen Aufenthaltsraum stellt, der direkt nach sportlicher
Betätigung genutzt wird.
Die Stühle sind nach einem Patent von Lloyd Loom aus dem Jahre
1924 gefertigt. Es handelt sich um einen Flechtstuhl, dessen Material
aus mit Pappemache umwickeltem Draht besteht. Lloyd Loom greift
die für die Zeit typischen Rundformen auf; die dunkel patinierte
Farbe strahlt Behaglichkeit aus. Auch die neuen Wandleuchten sollen
zu dieser Atmosphäre beitragen – gerade bei abendlichen
Zusammenkünften. Die mit Stoff bespannten Stehleuchten dürfen
ruhig etwas Club-Flair verbreiten.
Ein schlüssiges Farb- und Gestaltungskonzept für die
Wände – auch im angrenzenden großen Gesellschaftsraum – war
dann schnell gefunden.
W.H.: Haben Sie ein bestimmtes Ziel bei der Entwicklung der Konzeption?
Thomas Herrendorf: Nun, das ist leicht zu beantworten. Ich stelle
mir zur Aufgabenbewältigung bestimmte Schlagworte vor: Gemütlichkeit,
Praktikabilität, Atmosphäre, Geschlossenheit, Wohlbefinden
und so weiter. Daraus entwickelt sich dann die Idee.
W.H.: Bei den hier durchgeführten Veränderungen handelt
es sich für Sie doch sicher um ein kleineres Projekt.
Thomas Herrendorf: Um Gottes willen! Ich liebe meine Beruf, und
ob es um die Federführung bei der Einrichtung einer Botschaft
oder eines Kreuzfahrtschiffes, um die Neugestaltung einer Gästetoilette
oder die Farb- und Materialberatung für den Neubezug eines
Dielenstuhles geht – ich bin immer mit Leib und Seele bei
der Sache und freue mich, wenn ich zu Rate gezogen werde.
W.H.: Wie arbeiten Sie in Ihrem Geschäft in Berlin?
Thomas Herrendorf: In einem Team mit neun Mitarbeitern. Die Beratung
und der Service stehen bei uns an erster Stelle.
W.H.: Spielen Sie selbst Tennis?
Thomas Herrendorf: Hm. Ähm...
W.H.: Herr Herrendorf, vielen Dank für das Gespräch.
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