Inneneinrichter****guide 2/2001

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  Inneneinrichter****guide 2/2001 · Autorin: Sabine von Breunig · Fotos: Eric Laignel

 

 
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LebensrÄume – LebenstrÄume

Wenn es um die sensible Wahrnehmung der Wünsche seiner Kunden geht, ist Thomas Herrendorf ein Meister seines Fachs. Der bekannte Berliner Inneneinrichter geht seinen eigenen Weg, indem er, fern der kurzlebigen Trends, eine Brücke zwischen klassischer Moderne und gewachsenen Traditionen schafft.

Inneneinrichter****guide: Herr Herrendorf, Sie haben einen sehr eigenständigen Stil. Wie würden Sie Ihr Einrichtungscredo charakterisieren?

Thomas Herrendorf: Am wichtigsten sind für mich Toleranz und eine ausgeprägte kosmopolitische Einstellung. Ich möchte unterschiedliche Kulturen und Stile miteinander verbinden. Außerdem habe ich großen Respekt vor dem, was ich bei meinen Kunden vorfinde. Man kann ja nicht nur wegen der Vertretung einer Linie das Vorhandene negieren. Insofern habe ich keinen festgelegten Stil, den man sofort erkennt. Ich höre meinen Kunden aufmerksam zu, mich interessieren die Geschichten zu den vorhandenen Gegenständen. Ich lerne die Menschen kennen und finde im Gespräch heraus, was zu wem passt. Es geht mit primär darum, meine Kunden dezent und diskret zu begleiten.

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Inneneinrichter****guide: Zeichnet es einen wirklich guten Inneneinrichter aus, dass seine Handschrift nicht auf den ersten Blick erkennbar ist?

Thomas Herrendorf: Das ist der Gipfel für mich. Es geht in unserem Geschäft ja nicht um Selbstverwirklichung. Meine Kunden sind wichtig. Sie sollen sich in ihren Einrichtungen wiederfinden und wohl fühlen. Ich schaffe Lebensräume. Ich dekoriere nicht. Für mich muss eine Einrichtung insgesamt gewachsen wirken. Von den Herstellern vorgegebene Einrichtungskonzepte lehne ich ab. Mich reizt das Materialspiel. Ich gehe gern an die Grenzen des Möglichen, reize den Materialmix aus. Mich faszinieren interessante Brüche.

Inneneinrichter****guide: Was verstehen Sie unter einem interessanten Bruch?

Thomas Herrendorf: Starke Brüche gibt es in meinen Einrichtungen nicht. Ich erziele Spannung und überraschende Raumwirkungen durch die Kombination unterschiedlicher Materialien, indem ich zum Beispiel Elegantes und betont Schlichtes zusammenbringe.

Inneneinrichter****guide: Was bedeutet Trend für Sie?

Thomas Herrendorf: Trend ist ein Wort, das ich weniger liebe. Trend ist etwas für Menschen, die sich immer wieder Bestätigung kaufen müssen, indem sie trendy sind. Wenn wir Wohnungen einrichten, die trendy sein sollen, fügen wir immer eine Prise Spontanität, ein kleines Augenzwinkern hinzu.

Inneneinrichter****guide: Welche Bedeutung haben Markenartikel in ihrem Geschäft?

Thomas Herrendorf: Unsere Klientel ist überhaupt nicht imageorientiert. Vielleicht ist das der Vorteil von Berlin. Es gibt hier keine elitären Inneneinrichtungen, die etwas widerspiegeln müssen. Wir haben Projekte für bekannte Kunstsammler und berühmte Mäzene realisiert, die mit ganz einfachen Mitteln und schlichten Einrichtungen der Kunst den gebührenden Raum geben. Marken haben für uns nur eine geringe Bedeutung. Das Sofa eines Markenartikelherstellers wäre in meinen Einrichtungen auch gar nicht auf den ersten Blick zu erkennen, weil ich die Möbel nicht so platziere, wie es in 100 000 Prospekten zu sehen ist. Wie gesagt, ich durchbreche gängige Trendvorstellungen. Unseren Kunden geht es um Stilrichtungen, wer die Möbelstücke liefert, ist sekundär. Wir gehen auch nicht danach, was teuer ist oder besonders exklusiv dargestellt wird. Wir nehmen die Stücke, die eine optimale Lösung bieten, auch wenn sie einfach und preiswert sind. Wir können uns diese Freiheit leisten, weil wir sehr gut zu tun haben.

Inneneinrichter****guide: Nehmen Sie auch kleine Aufträge an?

Thomas Herrendorf: Das gehört zu unseren obersten Prinzipien. Ich bin mir nicht zu schade, für zwei Kissen oder ein Badezimmerrollo einen Hausbesuch zu machen.

Inneneinrichter****guide: Sie sind mit Leib und Seele dabei. Was haben Sie gemacht, bevor Sie Inneneinrichter wurden?

Thomas Herrendorf: Ich habe nie etwas anderes gemacht. Ich habe schon mit 15 Jahren in einem Einrichtungshaus gejobbt. Mit 19 hatte ich bereits mein erstes Einrichtungsstudio.

Inneneinrichter****guide: Haben Sie schon in jungen Jahren zu Ihrem persönlichen Stil gefunden?

Thomas Herrendorf: Ja, die Ansätze zur Toleranz, zur friedlichen Koexistenz unterschiedlicher Stile, waren von Anfang an da.

Inneneinrichter****guide: Kommen Ihre Kunden nur aus der sogenannten upper class oder aus allen Gesellschaftsschichten?

Thomas Herrendorf: Aus allen Gesellschaftsschichten, wir möchten nicht Masse machen, aber wir sind für jeden da.

Inneneinrichter****guide: Also: Klasse statt Masse.

Thomas Herrendorf: Den Trend zum schnellen Kauf lehne ich grundsätzlich ab. Wenn ich dazu gezwungen wäre, um jeden Preis zu verkaufen, würde ich meinen Beruf aufgeben. Ich finde es schon ein Unding, wenn es ein Einrichtungshaus zulässt, dass ein Kunde etwas aus dem Geschäft heraus kauft. Ich weiß durch meine Berufspraxis, wie schwer es ist, ein Möbelstück richtig zu platzieren. Als verantwortungsvoller Inneneinrichter darf man gar nicht zulassen, dass ein Kunde sagt, ich nehme das Sofa und die Sessel, wann können Sie liefern? Ich finde eine solche Geschäftspolitik an der Grenze des Erlaubten.

Inneneinrichter****guide: Ist das nicht die Normalität? Arbeiten Sie anders als Ihre Kollegen?

Thomas Herrendorf: Davon können Sie ausgehen. Bei Möbeln machen wir in der Regel Probestellungen. Nur so kann die Wirkung eines Möbelstücks im Raum wirklich beurteilt werden. Es ist doch beispielsweise auch fast unmöglich, die Stimmung, die eine Lampe oder Leuchte in einem Raum erzeugt, ohne Probestellung zu beurteilen, damit Sie Farben und Qualitäten auch im Abendlicht beurteilen können.

Inneneinrichter****guide: Das ist wirklich ein beachtlicher Service.

Thomas Herrendorf: Das muss sein. Es geht für uns um mehr als darum, Möbel zu verkaufen. Unsere kundenorientierte Geschäftsphilosophie ist die Basis unseres Erfolges.

Inneneinrichter****guide: Sie bieten in Ihrem Einrichtungsstudio alles an, was zu einer gekonnten Inneneinrichtung gehört. Von schönen Bildern und Barockschränken bis zum Teppichboden. Wo finden Sie die erlesenen Antiquitäten und Kunstwerke?

Thomas Herrendorf: Auf meinen Reisen und durch gute Kontakte. Zunächst kaufe ich die antiken Möbel, um mein Einrichtungsstudio zu schmücken, damit ich mich wohl fühle. Häufig muss ich mich schweren Herzens viel zu früh von den schönen Stücken trennen. Die Bilder finde ich auf Auktionen oder in Privatsammlungen.

Inneneinrichter****guide: Ihr Produktangebot ist außerordentlich fassettenreich und vielfältig.

Thomas Herrendorf: Ja, wir arbeiten mit allen renommierten europäischen Lieferanten zusammen. Über Entwicklungen und Tendenzen informieren wir uns auf den großen Messen in Paris, Mailand, London und Amsterdam. Eine genaue Kenntnis des internationalen Angebots ist das Handwerkszeug eines guten Inneneinrichters.

Inneneinrichter****guide: Wie umfassend sind ihre Einrichtungskonzepte?

Thomas Herrendorf: Wir bieten unseren Kunden ein komplettes Einrichtungspaket an. Das reicht von der Baubetreuung bis zu Detaillösungen. Im Grunde genommen haben wir ein Innenarchitekturbüro. Es gibt nichts, was wir im Einrichtungssektor nicht anbieten.

Inneneinrichter****guide: Fürchten Sie als klassischer Inneneinrichter das Internet-Zeitalter?

Thomas Herrendorf: Überhaupt nicht. Wir müssen davon ausgehen, dass sich in Zukunft sehr viele Menschen im Internet bedienen werden. Das kann dazu führen, dass wir etwas weniger zu tun haben werden. Trotzdem meine ich, dass unser Markt unerschütterlich fest steht, weil der persönliche Kontakt zu den Kunden absolut zukunftsorientiert und durch nichts zu ersetzen ist. Möbel kann man im Internet kaufen. Bei uns gibt es neben dem persönlichen Kontakt und der Aufmerksamkeit, die wir unseren Kunden widmen, die Gestaltung von Lebensräumen, und da kommt das Internet ganz sicher nicht mit.