LebensrÄume – LebenstrÄume
Wenn es um die sensible Wahrnehmung der Wünsche seiner
Kunden geht, ist Thomas Herrendorf ein Meister seines Fachs.
Der bekannte Berliner Inneneinrichter geht seinen eigenen
Weg, indem er, fern der kurzlebigen Trends, eine Brücke
zwischen klassischer Moderne und gewachsenen Traditionen
schafft.
Inneneinrichter****guide: Herr
Herrendorf, Sie haben einen sehr eigenständigen Stil.
Wie würden Sie Ihr Einrichtungscredo charakterisieren?
Thomas Herrendorf: Am wichtigsten
sind für mich Toleranz und eine ausgeprägte kosmopolitische
Einstellung. Ich möchte unterschiedliche Kulturen und
Stile miteinander verbinden. Außerdem habe ich großen
Respekt vor dem, was ich bei meinen Kunden vorfinde. Man
kann ja nicht nur wegen der Vertretung einer Linie das Vorhandene
negieren. Insofern habe ich keinen festgelegten Stil, den
man sofort erkennt. Ich höre meinen Kunden aufmerksam
zu, mich interessieren die Geschichten zu den vorhandenen
Gegenständen. Ich lerne die Menschen kennen und finde
im Gespräch heraus, was zu wem passt. Es geht mit primär
darum, meine Kunden dezent und diskret zu begleiten.
  
Inneneinrichter****guide: Zeichnet
es einen wirklich guten Inneneinrichter aus, dass seine Handschrift
nicht auf den ersten Blick erkennbar ist?
Thomas Herrendorf: Das ist der
Gipfel für mich. Es geht in unserem Geschäft ja
nicht um Selbstverwirklichung. Meine Kunden sind wichtig.
Sie sollen sich in ihren Einrichtungen wiederfinden und wohl
fühlen. Ich schaffe Lebensräume. Ich dekoriere
nicht. Für mich muss eine Einrichtung insgesamt gewachsen
wirken. Von den Herstellern vorgegebene Einrichtungskonzepte
lehne ich ab. Mich reizt das Materialspiel. Ich gehe gern
an die Grenzen des Möglichen, reize den Materialmix
aus. Mich faszinieren interessante Brüche.
Inneneinrichter****guide: Was
verstehen Sie unter einem interessanten Bruch?
Thomas Herrendorf: Starke Brüche
gibt es in meinen Einrichtungen nicht. Ich erziele Spannung
und überraschende Raumwirkungen durch die Kombination
unterschiedlicher Materialien, indem ich zum Beispiel Elegantes
und betont Schlichtes zusammenbringe.
Inneneinrichter****guide: Was
bedeutet Trend für Sie?
Thomas Herrendorf: Trend ist
ein Wort, das ich weniger liebe. Trend ist etwas für
Menschen, die sich immer wieder Bestätigung kaufen müssen,
indem sie trendy sind. Wenn wir Wohnungen einrichten, die
trendy sein sollen, fügen wir immer eine Prise Spontanität,
ein kleines Augenzwinkern hinzu.
Inneneinrichter****guide: Welche
Bedeutung haben Markenartikel in ihrem Geschäft?
Thomas Herrendorf: Unsere Klientel
ist überhaupt nicht imageorientiert. Vielleicht ist
das der Vorteil von Berlin. Es gibt hier keine elitären
Inneneinrichtungen, die etwas widerspiegeln müssen.
Wir haben Projekte für bekannte Kunstsammler und berühmte
Mäzene realisiert, die mit ganz einfachen Mitteln und
schlichten Einrichtungen der Kunst den gebührenden Raum
geben. Marken haben für uns nur eine geringe Bedeutung.
Das Sofa eines Markenartikelherstellers wäre in meinen
Einrichtungen auch gar nicht auf den ersten Blick zu erkennen,
weil ich die Möbel nicht so platziere, wie es in 100
000 Prospekten zu sehen ist. Wie gesagt, ich durchbreche
gängige Trendvorstellungen. Unseren Kunden geht es um
Stilrichtungen, wer die Möbelstücke liefert, ist
sekundär. Wir gehen auch nicht danach, was teuer ist
oder besonders exklusiv dargestellt wird. Wir nehmen die
Stücke, die eine optimale Lösung bieten, auch wenn
sie einfach und preiswert sind. Wir können uns diese
Freiheit leisten, weil wir sehr gut zu tun haben.
Inneneinrichter****guide: Nehmen
Sie auch kleine Aufträge an?
Thomas Herrendorf: Das gehört
zu unseren obersten Prinzipien. Ich bin mir nicht zu schade,
für zwei Kissen oder ein Badezimmerrollo einen Hausbesuch
zu machen.
Inneneinrichter****guide: Sie
sind mit Leib und Seele dabei. Was haben Sie gemacht, bevor
Sie Inneneinrichter wurden?
Thomas Herrendorf: Ich habe nie
etwas anderes gemacht. Ich habe schon mit 15 Jahren in einem
Einrichtungshaus gejobbt. Mit 19 hatte ich bereits mein erstes
Einrichtungsstudio.
Inneneinrichter****guide: Haben
Sie schon in jungen Jahren zu Ihrem persönlichen Stil
gefunden?
Thomas Herrendorf: Ja, die Ansätze
zur Toleranz, zur friedlichen Koexistenz unterschiedlicher
Stile, waren von Anfang an da.
Inneneinrichter****guide: Kommen
Ihre Kunden nur aus der sogenannten upper class oder aus
allen Gesellschaftsschichten?
Thomas Herrendorf: Aus allen
Gesellschaftsschichten, wir möchten nicht Masse machen,
aber wir sind für jeden da.
Inneneinrichter****guide: Also:
Klasse statt Masse.
Thomas Herrendorf: Den Trend
zum schnellen Kauf lehne ich grundsätzlich ab. Wenn
ich dazu gezwungen wäre, um jeden Preis zu verkaufen,
würde ich meinen Beruf aufgeben. Ich finde es schon
ein Unding, wenn es ein Einrichtungshaus zulässt, dass
ein Kunde etwas aus dem Geschäft heraus kauft. Ich weiß durch
meine Berufspraxis, wie schwer es ist, ein Möbelstück
richtig zu platzieren. Als verantwortungsvoller Inneneinrichter
darf man gar nicht zulassen, dass ein Kunde sagt, ich nehme
das Sofa und die Sessel, wann können Sie liefern? Ich
finde eine solche Geschäftspolitik an der Grenze des
Erlaubten.
Inneneinrichter****guide: Ist
das nicht die Normalität? Arbeiten Sie anders als Ihre
Kollegen?
Thomas Herrendorf: Davon können
Sie ausgehen. Bei Möbeln machen wir in der Regel Probestellungen.
Nur so kann die Wirkung eines Möbelstücks im Raum
wirklich beurteilt werden. Es ist doch beispielsweise auch
fast unmöglich, die Stimmung, die eine Lampe oder Leuchte
in einem Raum erzeugt, ohne Probestellung zu beurteilen,
damit Sie Farben und Qualitäten auch im Abendlicht beurteilen
können.
Inneneinrichter****guide: Das
ist wirklich ein beachtlicher Service.
Thomas Herrendorf: Das muss sein.
Es geht für uns um mehr als darum, Möbel zu verkaufen.
Unsere kundenorientierte Geschäftsphilosophie ist die
Basis unseres Erfolges.
Inneneinrichter****guide: Sie
bieten in Ihrem Einrichtungsstudio alles an, was zu einer
gekonnten Inneneinrichtung gehört. Von schönen
Bildern und Barockschränken bis zum Teppichboden. Wo
finden Sie die erlesenen Antiquitäten und Kunstwerke?
Thomas Herrendorf: Auf meinen
Reisen und durch gute Kontakte. Zunächst kaufe ich die
antiken Möbel, um mein Einrichtungsstudio zu schmücken,
damit ich mich wohl fühle. Häufig muss ich mich
schweren Herzens viel zu früh von den schönen Stücken
trennen. Die Bilder finde ich auf Auktionen oder in Privatsammlungen.
Inneneinrichter****guide: Ihr
Produktangebot ist außerordentlich fassettenreich und
vielfältig.
Thomas Herrendorf: Ja, wir arbeiten
mit allen renommierten europäischen Lieferanten zusammen. Über
Entwicklungen und Tendenzen informieren wir uns auf den großen
Messen in Paris, Mailand, London und Amsterdam. Eine genaue
Kenntnis des internationalen Angebots ist das Handwerkszeug
eines guten Inneneinrichters.
Inneneinrichter****guide: Wie
umfassend sind ihre Einrichtungskonzepte?
Thomas Herrendorf: Wir bieten
unseren Kunden ein komplettes Einrichtungspaket an. Das reicht
von der Baubetreuung bis zu Detaillösungen. Im Grunde
genommen haben wir ein Innenarchitekturbüro. Es gibt
nichts, was wir im Einrichtungssektor nicht anbieten.
Inneneinrichter****guide: Fürchten
Sie als klassischer Inneneinrichter das Internet-Zeitalter?
Thomas Herrendorf: Überhaupt nicht.
Wir müssen davon ausgehen, dass sich in Zukunft sehr
viele Menschen im Internet bedienen werden. Das kann dazu
führen, dass wir etwas weniger zu tun haben werden.
Trotzdem meine ich, dass unser Markt unerschütterlich
fest steht, weil der persönliche Kontakt zu den Kunden
absolut zukunftsorientiert und durch nichts zu ersetzen ist.
Möbel kann man im Internet kaufen. Bei uns gibt es neben
dem persönlichen Kontakt und der Aufmerksamkeit, die
wir unseren Kunden widmen, die Gestaltung von Lebensräumen,
und da kommt das Internet ganz sicher nicht mit. |