Schöner Wohnen decoration
3/2005

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Soll der Hund mit drauf beim Sofakauf?
Was Neues, was Altes, was Gebrauchtes. Fertig ist die Wohn-Oase.
Ein schönes Zuhause möchte doch jeder, aber die wenigsten
wissen, wie es geht. „Sie stehen im Laden und sagen: ‚Ich
hab da mal was gesehen.’ Dann gehe ich in mich und fange
an zu suchen.“ Thomas Herrendorf ist der Forscher und Sammler
unter den Berliner Inneneinrichtern. Nur Möbel verkaufen?
Das ist doch nichts!, findet er und vermittelt am liebsten Lebenskultur.
Seine Berliner Wohnung gleicht einer Bühne.
Engel gelandet. Im Himmel über Kreuzberg unterm britzelnden
Licht von Kronleuchtern und Girandolen recken sich auf einem rustikalen
Tisch antike geflügelte Mohren, denen das Fegefeuer die Haut
verbrannt hat. Bejahrte bayerische Barockengel wachen überm
Gästehimmelbett, flankieren das hauptstädtische Leben
im kühlen Design. „Historische Anarchie in modernen
Räumen“, nennt es Thomas Herrendorf. Genau das inspiriert
ihn.
  
Der herzliche Endvierziger ist Inneneinrichter in Berlin, Autodidakt
mit eigenem Laden schon sein halbes Leben. Lieber nennt er sich
Berater für kulturelle Dinge. Auf jeden Fall ist er ein hingebungsvoller
Sammler, der über die Flohmärkte der Welt stromert, Steine
findet, Bruchstücke, Hölzer. „Reisen ist für
mich wie Lesen: meine Inspiration.“ Dem Morbiden, den lebendigen
Oberflächen und verblassten Farben gilt seine Zuneigung. Neue
Möbel würzt er mit abgeliebten Stücken. „Regeln
brechen, das mag ich.“ Das Zuhause ist sein Rückzugsort.
Blickachsen, Spiegel, Farbflächen und Kerzen machen Stimmung.
Eleganz und Opulenz dominieren. Im Angesicht von so viel barockem
Glanz mimt sogar das eisgraue moderne Sofa den falschen Persianer.
Neu und Alt reiben sich lustvoll aneinander. Der Gestalter zeigt
sich im Detail, reißt Wände auf, fügt antike Säulen
ein, setzt Lichter pointiert und arrangiert Engel, Vasen, Bilder,
Fundstücke. „Achsenverrückt bin ich“, wegen
der vielen Durchblicke. In seinem Charlottenburger Geschäft
stupst er die Leute schon mal nachdrücklich in die entspannte
Position auf eines seiner Schausofas. „Dafür sind sie
schließlich da“, lacht er. „Die meisten können
doch nicht mit Möbel umgehen. „Wie leben, lieben, liegen
Sie?, frage ich. Soll der Hund mit aufs Sofa? Bei mir finden die
Menschen über sich heraus, was sie bisher nicht wussten.“
Manchmal bedarf es nur einer kleinen Auffrischung. „Räume
sortieren“, heißt das bei Herrendorf. Wer unsicher
ist, wird feinfühlig geleitet. Die Lieblingsstücke seiner
Auftraggeber bekommen ein neues Zuhause. Wer will, wird sogar auf
Auktionen begleitet. „Kunst gestaltend einzusetzen, das kommt
allerdings selten vor“, bedauert er. Er macht sein Spiel,
ohne sich aufzudrängen. „Hier ein bisschen, da ein bisschen“,
das ist ihm am liebsten. 100 Prozent von einem Hersteller, das
gibt es nicht. Machen, was nötig ist. Und Schluss! „Wird
es zu bombastisch, dann bremse ich.“ Und bloß nicht
zu modisch. Thomas Herrendorf hat das Gestalten nicht studiert,
und doch ist es sein Elixier. Schon als 20-jähriger assistierte
er einer alten Dame vom Fach. „Sie beriet Kunden, zupfte
die Stoffmuster heraus und ließ sie auf den Boden Fallen.
Ich musste alles wieder einsortieren. Auf diese Weise lernte ich
alle Stoffe kennen.“ „Augen aufsperren“, das
macht er noch heute. Die Leidenschaft fürs große Ganze
ist eher gewachsen. In seinem Laden sorgen wechselnde Ausstellungen
für Stimmung: „Nur ein Ausriss meiner Arbeiten. Mehr
nicht.“
Der Mensch kommt zum Möbelkaufen und bekommt eine Totalberatung. „Ich
hab’ mal was gesehen“, sagt er. „Dann gehe ich
in mich und fange an zu suchen. Wir haben eine riesige Bibliothek.
Dazu die Früchte der Reisen und Messen im Kopf. Es ist wie
Lotto. Es gibt so viele Möglichkeiten.“ Ein toller Auftrag
ist für Thomas Herrendorf, wenn er die Lieblingsstücke
des Kunden „wiedererwecken“ darf. Je schwieriger das
umzusetzen ist, desto besser. Die Krönung sind Kunst und Antiquitäten.
So was ist selten. Perfekt ist es, wenn der Partner Geduld hat
und es wachsen lässt. „Nur Möbel verkaufen, das
ist mein Albtraum. Bei mir sollen die Dinge Bestand haben, dann
werden beim Auftraggeber auch Kapazitäten frei für noch
wichtigere Dinge in seinem Leben.“
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Schöner Wohnen decoration 3/2005 ·
Text: Inge Ahrens ·
Fotos: Mark Seelen |
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